Folgende Themen finden Sie hier:

Was ist und wie wirkt Propylenglycol

Wissenswertes zu Obstessig

Wissenswertes zu Zuckerrübenmelasse

- in der Fütterung

- als Silierhilfsmittel

Wissenswertes zu Natriumbicarbonat

Wissenswertes zu Futtermitteln - außerhalb der Fütterung


Was ist und wie wirkt Propylenglycol?

Propylenglycol hat einen energetischen "Futterwert" von 16,8 MJ  NEL/kg TM. 

Man kann aber bei der Bewertung dieses "Futtermittels" seinen Wert nicht ausschließlich an seinem Energiewert festmachen. Es handelt sich hierbei um eine glucoplastische Substanz. D.h. die Kühe können Propylenglycol als Vorstufe zu Bildung von Blutzucker nutzen. Wenn der Blutzuckerspiegel zu niedrig ist, wird vermehrt Körperfett abgebaut und hierbei entstehen die gefürchteten Ketonköper. Es kommt zur Ketose. Propylenglycol (=1,2 Propandiol) kann also Ketose verhindern helfen.

Die Fermentation von Stärke und Zucker im Pansen führt üblicherweise zur Bildung von Propionsäure, die absorbiert  und in der Leber zu Glucose (Zucker) umgewandelt wird. Bei knapper Energieversorgung kann die Propionsäurebildung leistungsbegrenzend wirken. Propylenglycol führt zu Veränderungen im Pansen in der Form, dass das Essigsäure - Propionsäureverhältnis zugunsten von Propionsäure verschoben wird. Die Gesamtmenge an flüchtigen Fettsäuren nimmt ab. Auch die Glucosegonausschüttung nimmt ab. Die Energiesituation kann dadurch relativ gut verbessert werden. Kurzum: Es wird durch den Einsatz von Propylenglycol für den Stoffwechsel mehr geleistet als es die 16,8 MJ  NEL ausdrücken.

Wenn Propylenglycol eingesetzt wird, kann es Zusatzfunktionen bewirken. In den letzen 5 bis 10 Tagen vor dem Kalben und bis zu ca. 50 bis 60 Tage nach dem Kalben wird durch eine tägliche einmalige Gabe eine erhöhte Insulinausschüttung bewirkt. Dieses wiederum "signalisiert" dem Stoffwechsel, dass genügend Energie im Blut vorhanden ist und dass weniger Energie zugeführt werden muss. In Phasen ständiger Energieunterversorgung (z.B. erste Zeit nach dem Kalben) hat das eine reduzierte Mobilisation von Körperfett zu Folge. Das Tier schmilzt weniger Körperfett ein und frisst mehr. Wichtig ist nur, dass das Propylenglycol einmal, max. zweimal täglich als Schub verabreicht wird (z. B. im AMS oder über die Flüssigfutterstation). Es macht wenig Sinn (auch wenn es sich so besser verkaufen lässt) das Propylenglycol in die TMR oder den Mischwagen einzumischen. Denn dann nutzt man "nur" die 16,8 MJ NEL im Futterwert.


Wissenswertes zu Obstessig

Durch die Schmackhaftigkeit kann die Futteraufnahme verbessert / erhöht werden.

Die Verabreichung von Obstessig übers Futter der Kuh kann positive Effekte auf den Zellgehalt in der Milch haben. Des weiteren kann die Kuh auch die Energie im Obstessig nutzen, Essig unterstützt die Verdauung von Fett und Kohlenhydraten.

Der Essig hat auch allgemein weitere positive Effekte auf Verdauung und Darmflora, sowohl beim Kalb als auch bei der Kuh.

Eine äußere Anwendung von Obstessig ( + Quark zur besseren Haftung als Entzündungshemmer) auf das Euter, kann bei ersten Anzeichen einer Mastitis eine kühlende und desinfizierende Wirkung haben und eventuell eine "Hemmstoffspritze" unnötig machen. Obstessig hat also eine positive Wirkung auf die Eutergesundheit.

Bei Kälbern hat Obstessig in der Milchtränke ebenfalls positive Effekte. Der Obstessig hat einen pH absenkenden Effekt. Die Milch wird dadurch eher "entkeimt" und durch Denaturierung der Eiweiße durch die Säure leichter verdaulich.

Direkt vor den Nasen von hustenden Kälbern versprüht, kann Obstessig einen witterungsbedingten Hustenreiz lindern.

Obstessig wird auch nachgesagt, dass er die Selbstreinigung der Gebärmutter der Kuh fördert. Er kann desinfizierend und fiebersenkend wirken.

Eine Verbesserung der Stallluft durch versprühen von Obstessig. Durch die Absenkung des ph-Wertes in der Luft, auf dem Boden und der Stalleinrichtung wird den Bakterien die Lebensgrundlage entzogen.

Die Ansäuerung von Futter und Futterplatz wirkt kolihemmend.

Obstessig kann zur Reinigung und Entkalkung von Tränken eingesetzt werden.


Wissenswertes zu Zuckerrübenmelasse

Melasse ist ein hervorragendes Siliermittel für Grassilage bis zum TS-Gehalt von 40%. Darüber ist ihr Einsatz nicht mehr zu empfehlen, da sie dann die Erwärmung der Silage fördern kann. Maissilage hat von vornherein einen höheren Zuckergehalt und ist besser silierbar. Hier lohnt der Einsatz von Melasse nicht.

Besonders wirksam ist der Melasseeinsatz zusammen mit Milchsäurebakterien in Siliermittelzusätzen. Melasse hat eine Klebewirkung, die Verdichtung des Siliergutes wird unterstützt und somit ein möglichst vollständiger Sauerstoffabschluss gefördert. Der Zucker in der Melasse dient den Milchsäurebakterien als Nahrung. Der erhöhte osmotische Druck in der Silage - hervorgerufen durch die höhere Zuckerkonzentration - verschafft den Milchsäurebakterien einen Selektionsvorteil gegenüber anderen, vor allem schädlich wirkenden, Gärorganismen. Auf diese Weise wird ein optimaler Gärverlauf gefördert. Der Restzucker verbleibt als "Kuh-Nährstoff" in der Silage und wertet sie zum einen energetisch auf, zum anderen erhöht er die Schmackhaftigkeit des Futters.

Zu viel Restzucker ist jedoch nicht erwünscht, da dadurch die aerobe Stabilität der Silage leidet.

Aus zuletzt genanntem Grund ist es von Vorteil, Melasse als "Futtermittel" in fertiger Silage oder auch anderen Futterarten (z. B. Heu oder Stroh) einzusetzen. Der verbesserte Geschmack erhöht die Futteraufnahme.


Hier einige Anwendungstipps zum Silieren mit Melasse:

1. Bitte beachten Sie, dass  Melasse nicht wie Wasser abperlt, sondern einen dünnen Film bildet und abläuft. Deshalb kann Melasse bis zu 1 Meter tief in den festgefahrenen Silostock eindringen.

2. Die idealste Lösung: Melasse in den Häckselstrom eines Selbstfahrers einsprühen.

3. Einen Container neben das Fahr- oder Hochsilo stellen und mit einer Saug-Druckpumpe (z. B. aus dem Baumarkt) die Melasse beim Silieren gleichmäßig auf das Gras verteilen.

4. Melassefass auf der Deichsel des Ladewagens befestigen und die Melasse durch eine Leitung direkt auf den Schwad vor der Pickup laufen lassen.

5. Den Container auf der Ladefläches eines GT oder einer Palettengabel befestigen. Am Auslauf des Containers ein HAT-T-Stück (50 mm Durchmesser) anbringen, an beide Öffnungen ein 1 Meter langes HAT-Rohr (50 mm Durchmesser) anschrauben, jedes Ende mit einem Blindstopfen verschließen. Das Rohrgestell am Container hochbinden, damit es durch das Gewicht nicht nach unten gedrückt wird. Die Rohrleitung wird auf der unteren Seite alle 5 cm mit einem 10 mm Bohrer gelöchert. Nach Beendigung des Silierens, kurz vor dem Zudecken, fährt man mit dem Container langsam über den verdichteten Silohaufen. Man erreicht eine bessere Silierung in den oberen, am meisten gefährdeten Schichten. Das ergibt ein schmackhafteres Futter, bewirkt somit eine höhere Futteraufnahme und vermindert Futterverluste.



Einige Tipps zum Handling der Melasse als Futtermittel:

Ist Ihnen die Melasse zu dickflüssig?

Mischen Sie 5-10 % Trinkwasser mit dem Hochdruckreiniger darunter. Durch die Eingabe des Wassers unter Druck kommt es nicht - wie es bei bloßem Einschütten der Fall wäre - zur Entmischung von Wasser und Melasse, sondern zu einem homogenen Flüssigkeitsgemisch.

Geben Sie die Melasse mit einer Gießkanne aufs Futter?

Wenn ja, bohren Sie in den Ausgießer noch einige 10 mm Löcher und die Melasse verteilt sich viel besser.

Wie bekommen Sie die Melasse aus dem Transportbehälter?

Mit einer Wasserpumpe (z. B. aus dem Baumarkt) lässt sich die Melasse gut aus Container oder Behälter saugen und in den Futtermischwagen pumpen.

Heu von extensiv genutzen Flächen oder Stroh plus Melasse = ein Gedicht für Kühe.



Wissenswertes zu Natriumbicarbonat:

Natriumbicarbonat ist ein natürlicher Bestandteil des Speichels der Kuh. Hierdurch wird der pH-Wert im Pansen reguliert, eine Voraussetzung für einen optimalen Gärungsverlauf und maximale Futteraufnahme. Normalerweise gelangt viel Speichel und damit Natriumbicarbonat (=Puffer) durch das Wiederkauen (angeregt durch hohen Rohfaseranteil in der Ration) in den Pansen. Oft ist es jedoch durch das hohe Leistungsniveau der Kühe nicht möglich ,viel Heu/Stroh (strukturwirksame Rohfaser) in die Ration zu geben und es werden vermehrt energiereiche Futtermittel eingesetzt. Damit es aber durch den schnellen Abbau dieser Futtermittel (z. B. Getreide) nicht zu einem Säurestoß im Pansen kommt, (Gefahr der Accidose) besteht die Möglichkeit dem Futter die Puffersubstanz Natriumbicarbonat zuzugeben.

Natriumbicarbonat beugt Pansenübersäuerung vor.

Aus Gründen der Tiergesundheit sollte aber trotzdem auf einen gewissen Anteil an strukturwirksamer Substanz nicht verzichtet werden.


Wissenswertes aus der Milchviehhaltung in Kürze:

​Wussten Sie schon, dass....


Wissenswertes zu Futtermitteln - außerhalb der Fütterung

Magnesiumoxid:

- wird als "Magnesia" im Sport verwendet (z.B. am Reck, Barren, ...)

- wird als Trennmittel und Rieselhilfsstoff für pulverförmige Lebensmittel eingesetzt

- Findet Einsatz in der Aufbereitung von Trinkwasser

- verbessert die Löslichkeit von Kakaopulver

- erhöht die Glimmfähigkeit von Tabak


Obstessig (Apfelessig)

- gegen Schweißfüße hilft ein Schnapsglas voll Obstessig auf 5 Liter Wasser. Darin die Füße waschen. Sorgt für reduzierte Schweiß- und Geruchsbildung.